Rainer Thiel

 

 

 

 

 

 

Stand: 14. März 2016

 

 

 

 

www.thiel-dialektik.de  (ausführlich)

 

www.rainer-thiel.de      (stark abkürzend)

 

 

 

E-Mail: rainer@rainer-thiel.de

 

 

 

 

 

 

 

Am 13. September 2015 08.44 Uhr postete Gunnar Vogel aus Hessen an seine zahlreichen Partner:

 

„Hallo Leute,

 

noch eine kleine Anmerkung: Rainer Thiel hat ein neues Buch geschrieben. Das Buch ist vielleicht sein persönlichstes, und einmal angefangen zu lesen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Das Buch beweist nicht nur aufs Neue, dass Rainer ein brillanter Schriftsteller und Denker ist. Auch der Gegenstand des Buches ist anspruchsvoll, aber nicht ermüdend beschrieben: es geht um die Genialität des politischen Denkens von Marx und Engels, das Rainer von verschiedenen Seiten beleuchtet und so uns neu erschließt – fern von jeder scholastischen Verflachung. Es geht um die dialektische Einheit von Menschsein, Liebe und Revolution. Denn auch das Private ist politisch. Auch wenn der Mensch es nicht sehen will. Aber ich will nicht zuviel verraten, lest selbst.

 

Rainer Thiel

Neugier – Liebe – Revolution, Mein Leben 1930 – 2015

trafo – Verlag, www.trafoberlin.de, ISBN 978-3-86465-060-4

 

 

Übrigens: die Zeitangabe mag täuschen. Aber Rainer ist nicht tot und das Werk ist keine posthume Würdigung. Das beweist Rainer mit jeder Zeile dieses Buches.      LG Gunnar“

 

 

 

Das Buch kann im Buchhandel oder direkt beim Verlag bestellt werden:

 

info@trafoberlin.de

 

 

 

Verlagspräsentation des trafo verlag bitte hier aufrufen

 

 

Bestellbar auch bei www.amazon.de

 

http://www.amazon.de/Neugier-Liebe-Revolution-Rainer-Thiel/dp/3897932482/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1314142953&sr=8-1

 

 

 

 

 

Rainer Thiel, „Neugier, Liebe, Revolution. Mein Leben 1930 – 2015“, trafo verlag Berlin.

Ergänzte Neu-Auflage der Ausgabe von 2010, damals bei Edition Ost.

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Zur Welt gekommen 9 

 

Erste Kindheit. Paradies und Neugier 10  

 

Zweite Kindheit. Vom Paradies ins Stadtzentrum.

Beim Management helfen 22  

 

Dritte Kindheit. Ins Böse verstrickt 30  

 

Das große Feuer 40 

 

Von heißer Asche zu kalter Asche 44 

 

Leise beginnt neues Leben 49 

 

Lehrling – Zeitungsleser – Gymnasiast 50

 

Steinbruch-Arbeiter im Talsperrenbau 70

 

Was wird nun mit dem Studium? 81

 

Studium an zwei Fakultäten 82

 

Gehöre ich zur Arbeiterklasse? 84

 

Philosophie und trotzdem Mathematik? Ja, gerade deshalb 90

 

Als Agent entlarvt und rausgeschmissen 95

 

Ab nach Pommern in die Taiga 104

 

Erneut zum Studium – nach Berlin 113

 

Erste Auslandsreise 124

 

Dozent im gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudium.

Visiten in der Produktion und im Westen 126

 

K a t r i n 134

 

Bedürfnis, den ganzen Marx zu achten 143

 

Hauptberuflich forschend wirken dürfen! 147

 

Die Mauer in Berlin 159

 

Georg Klaus und mein Verhältnis zu ihm 168

 

Beim Aufbau empirischer Sozialforschung 175

 

1967 – mein Buch „Quantität oder Begriff ?“ 180

 

Schon wieder rausgeschmissen. Hinein ins Ministerium 184

 

Nochmal Kybernetik anschieben 191

 

Im Hause des Ministerrats 197

 

Katrin, Rainer und drei Kinder 202

 

Urlaub mit der Familie 209

 

Die Kinder und die Baukästen 216

 

1975: Fertig ist mein Buch „Mathematik – Sprache –

Dialektik“ 221

 

Katrin hat mich ausgehalten 228

 

Bildungsforschung – Institut steht Kopf, ich fliege raus 230

 

Intermezzo der Verlegenheit 236

 

Das revolutionäre Projekt „Erfinderschulen“ – gemeinsam

 

mit Verdienten Erfindern 238

 

Honeckers Konterrevolution vor der Vollendung 253

 

Erfinderschulen nach der Wende? 264

 

Widerspruchsorientierte Innovationsstrategie 269

 

Jenseits oder diesseits der Familie? Beides zugleich!

Doch die Familie hat gelitten 273

 

Die Stasi und meine Wenigkeit 282

 

Die PDS und ich als treue Seele 286

 

Endlich in Ruhe forschen können 293

 

Studien und Erlebnisse: Mein Buch „Marx und Moritz –

Unbekannter Marx – Quer zum Ismus“ (1998) 296

 

Katrins letzte Reise (1998) 307

 

Mein Buch „Die Allmählichkeit der Revolution –

Blick in sieben Wissenschaften“ (2000) 314

 

Sabine 318

 

Als Gast beim Schülerstreik 321

 

Das vergessene Volk – mein Praktikum in Landespolitik.

Aktion als Tiefenbohrung 326

 

106.000 Unterschriften für Recht und Rechtsstaat und

wie sie verschwunden sind 340

 

Christina 349

 

Bei Professoren im Karl-Liebknecht-Haus 352

 

Wie ich Montags-Demonstrant wurde 354

 

Wie ich Montagsdemonstrant blieb 361

 

Ich nähere mich Attac 377

 

„Allmähliche Revolution“ – immer noch Tabu

der Linken? 382

 

Entwicklung denken. Dialektik lehrbar machen 387

 

Ein Kriminalfall: Justiz gegen Rechtsstaat 394

 

UMOD 398

 

Wie lange noch die Angst um Arbeitsplätze? Wir wollen

frei von Angst sein! 410

 

Wie kam ich dazu, gesamtgesellschaftlich zu denken?

Kleine und große Familie 413

 

Bildnachweis 416

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autorreferat

zum Buch „Neugier, Liebe, Revolution“

 

Geschichte 1930 – 2015, wie sie bisher nicht gesehen wird, auch nicht von Professoren für Zeitgeschichte, auch nicht von Leidtragenden. Die drei Worte des Titels zeigen an, was der Autor als zusammengehörig nachweist. So wird ein Triplex fassbar.

 

Untertitel des Buches: „Mein Leben 1930 – 2015“

zeigt an, was der Autor als Beweis-Mittel nutzt. Außerdem nutzt er das Ergebnis seiner jahrzehntelangen Forschung zur Allmählichkeit von Revolution (zwei Bücher: anno 2000 im LIT-Verlag, anno 2009 im Kai Homilius Verlag).

 

Thiel machte zehn weitere Bücher. Seit 1946 in Bürger-Initiativen lernt er populär zu sagen, was er erforscht hat. Ideal ist ihm der Aufrecht gehende Bürger, der sich politischen Bevormundungen widersetzt und Gestalter menschlicher Verhältnisse wird. Dabei geriet der Beweisführende des Tripels „Neugier, Liebe, Revolution“ auch in Konflikte mit Leuten und Parteien, die sich als „Linke“ gerieren und das Gespräch verweigern. Lernbereite Bürger aus konservativen Traditionen dagegen sind erstaunt und erfreut. Sogenannte „einfache“ Menschen aber sind glücklich zu hören, dass die 30-Stunden-Arbeitswoche gedacht und erstritten werden kann. Davon erzählt der Autor im vorletzten Kapitel des Buches.

 

Mit dem Inhaltsverzeichnis präsentiert der Autor vierundsechzig Stichworte, welche die Abschnitte des Buches kennzeichnen. Sie lassen Abenteuer erahnen. Sie lassen auch erkennen, dass der Autor erzählend schreibt, als hätte es gegolten, einen Roman zu verfassen. Auch so kann man von Geschichte und Forschung erzählen.

 

Wie allen Menschen war dem nachmaligen Autor die Neugier und die Fähigkeit zur Liebe angeboren, bewahrt von seinen Eltern und bewährt in kinderfreundlicher Neubausiedlung im sächsischen Chemnitz. Der Pflichtdienst im Nazi-Jungvolk dauerte nicht lange genug, um den Knaben umzubiegen: Der Pflichtdienst endete mit Hagel britischer Bomben im März 1945. Der vierzehnjährige Bub setzt sich den herniederfallenden Spreng- und Brandkörpern aus, löscht Feuer und rettet eine alte Frau vorm Flammentod. „Das große Feuer“ heißt das Kapitel.

 

Seitdem brauchte der Autor sein Leben nicht mehr zu riskieren, doch Explosionen hat es in Fülle gegeben: Paradoxien und Grotesken, vom Leser erlebbar wie Blitze oder Witze, tatsächliche Historie ausdrückend. Im mittleren Teil des Buches erzählt der Autor vom Inhalt seiner Bücher, die von der Lösung einiger Probleme der Philosophie handeln, populär, im Gedanken an werktätige Menschen.

 

Schon der Heranwachsende denkt geschichtsbewusst. Doch im Gymnasium herrscht Stimmung, als hätte es keinen Weltkrieg gegeben. Der neugierig Gebliebene, von Bomben geprüfte, eine neue Welt Erstrebende fühlt sich provoziert und veranstaltet Versammlungen, auf eigene Faust. Schülerrat und Honeckers Jugendverband dämmern dahin. Konflikte sind unausbleiblich. Doch ein Altkommunist, der gegen Hitler gekämpft hatte, begrüßt den Aufmüpfigen mit dem Ruf „Arbeiterklasse und Intelligenz – Hand in Hand“. Das begreift der denkende Gymnasiast, der aus einer Handwerkerfamilie stammt - auch beide Großväter waren Handwerksmeister. Und nun werden vom Enkel die Mitschüler des Honecker-Verbandes aufgemöbelt. Nach dem Abitur wird dem Enkel Steinbrucharbeit im Talsperrenbau Sosa zum Erlebnis. Da suspendiert er seine Hemmungen, der SED beizutreten: dem parteigemäßen Kotau vor den Oberen zum Trotz. Davon wird im neunten Kapitel erzählt.

 

Bei fortgesetzter Arbeit im Jugendverband schwankt der nachmalige Autor: Mathematik oder Philosophie studieren? Oder beides? Verhängnisvoll sein Streben nach Perfektion. 1952 wird er in der philosophischen Fakultät der Uni Jena zum Vorsitzenden des Jugendverbands gewählt. Seinem Stellvertreter erzählt er unter vier Augen, dass ihm Sorge bereitet, wie Honecker vom „stolzen Millionen-Verband“ schwafelt. Drei Wochen danach wird der Sorgsame beschuldigt, für den Westen Agenten-Arbeit zu leisten. Ein Funktionär der SED ergreift die Chance, am Denkenden ein Exempel zu statuieren. Details werden im vierzehnten Kapitel erzählt, Folgen waren Ausschluss aus Partei und Studium. Als Bau-Arbeiter erlebt der Ausgeschlossene die widersprüchlichen Eigenschaften von Menschen, die ihr Leben lang körperlich arbeiten und auf ihre Weise Geschichte machen. Nach Monaten harter Arbeit sagt einer von ihnen: „Wir haben erkannt, dass Du einer von uns bist.“

 

Das ist Thiel stets gewesen, auf Baustellen, am Hochofen, an der Humboldt-Universität, an der Akademie der Wissenschaften, im Ministerium für Wissenschaft und Technik, beim Forschungsrat der DDR, auch im Büro des Ministerrats und schließlich wieder an der Humboldt-Universität im Institut für Hochschulbildung. Kaum hatte sein Direktor erklärt, Thiel arbeite wie ein Besessener, wird er vom Direktor rausgeschmissen: Thiel weigerte sich zu lügen. Seine Kollegen kuschen. Noch vorm Ende der DDR sagt ihm sein seinerzeitiger Parteisekretär: „Du warst der Einzige von uns, der es richtig gemacht hat.“

 

Ehrenamtlich war der Autor Mitbegründer und Mitgestalter der Erfinderschulen der DDR, zusammen mit Verdienten Erfindern. Das verhalf ihm zu einer staatlichen Auszeichnung und zur Erlaubnis, seine Vorlesungen vor gestandenen Ingenieuren, die Patent-Ingenieure werden wollten, nach eigenem Gutdünken zu gestalten. Doch schon bald kam die sogenannte Wende. Der Erzähler wurde in den Vorruhestand entlassen. Da konzentriert er sich aufs Forschen und Bücherschreiben. Und begibt sich in neue Abenteuer. Der grandiose Schülerstreik anno 2000 in Storkow – das Städtchen war zehn Tage lang Freie Republik, und Thiel schreibt ein Erlebnisbuch – lässt ihn in die Bildungspolitik des Landes Brandenburg gelangen. Dort wird er ungewollt zum Kriminalisten und enthüllt, wie Politiker aller Coleur schwindeln, die Landesverfassung unterlaufen und Bürgerinitiativen boykottieren. Es kommt zum Eklat. Und gleich geht es weiter, nun mit Problemen der arbeitslos gewordenen Mitbürger, die seit 2005 von Hartz IV betroffen sind. Der Buch-Verfasser kolportiert keine Zeitungsmeldungen, doch er erzählt Geschichte: Zusammenarbeit mit Betroffenen von Hartz IV. Und erneut wird er zum Kriminalisten: Indem er als aktiver Mensch gründlich in die Parteien-Politik eindringt, desto mehr Verwerfliches wird von ihm entdeckt. Dazu auch das Kapitel „Justiz gegen Rechtsstaat“.

 

Im Inhaltsverzeichnis sind 64 Kapitel angezeigt. In 8 Kapiteln erzählt der Autor, wie seine Familie entstand, er erzählt vom Glück und den Problemen seiner modernen Familie mit ihren drei Kindern und fünf Enkeln, auch von zwei Gefährtinnen, die er nach dem frühen Tod seiner Frau gewonnen hatte. Schönheit, Liebreize und Liebe, Unterschiede von Charakteren wie im Roman.

 

Mitbürgern verständlich, doch provozierend Konservative ebenso wie Linke, wird erzählt, was nicht in Geschichtsbüchern steht: Wie wird man vom Enkel zweier Handwerksmeister zum Kommunisten? Zu einem solchen, der die Revolution nicht als plötzlichen Ruck versteht, sondern als kreativen Prozess, ausgeführt von produzierenden Mitbürgern? Und so wird vom Autor – auch samt schlimmen Enttäuschungen - erzählt, wie sich deutsche Geschichte von 1930 bis 2015 zutrug: bisher noch nie erzählte Geschichte. Der Autor hat nicht als Berufs-Historiker, nicht als blendender Politiker, nicht als weltferner Akademiker gelebt. Doch als normal begabter, unbeugbarer Mensch nutzte er Situationen, in denen sich Neugier und Fähigkeit zur Liebe, Lust auf aktives Handeln und Mangel an Furcht vor Risiken erweisen mussten. Abschluss des Buches ist eine Hommage auf die Freiwillige Feuerwehr seines Dorfes: Frauen und Männer, die anpacken können. Nun müssten sie noch lernen, über das Dorf und Stadt-Verband  hinauszublicken. Neugier, Liebe und Revolution – der Triplex als Schlüssel zur Gestaltung der Geschichte.

PS. Über die Erstauflage meines Beweis-Textes, die nun um vier Kapitel ergänzt wurde, hatte der kürzlich verstorbene Schriftsteller, Philosoph und Politiker Gerhard Zwerenz am 28. Juni 2011 aus dem Taunus geschrieben:

„Es gibt noch Bücher, die zu lesen und zu genießen sich lohnt. Der Ex-Genosse ist heute bei attac – mit der PDS überwarf er sich ungefähr dreimal pro Woche – ein heimatloser Linker aus dem Osten?“ Daneben das Titelfoto des Buches. Zuvor hatte Zwerenz – wie oft in seinem langen, spannungsreichen Leben – das Erbe von Georg Lukacz und Ernst Bloch resumiert und gefragt, ob denn deren Lebenswerk vergebens gewesen sei: „Zum zivilen Gegenbeweis schickte uns Rainer Thiel sein Buch Neugier Liebe Revolution – Mein Leben 1930 – 2010. Es ist eine abenteuerliche, kurvenreiche, absturzbedrohte, aufrechte gute DDR-Akademiker-Biographie, die der in Chemnitz geborene .... vorlegt.“ Mit Blick auf die Ereignisse im Osten Deutschlands zitiert Zwerenz aus Thiels Buch: „Mit hohem Tempo war die Industrie im Osten ausgedünnt worden, die Reste zu verlängerten Werkbänken westlicher Konzerne degradiert. Zu 85% war das Personal für Forschung und Entwicklung hinausgeworfen worden.“

Geschichte, wie sie noch niemand erzählte - der Triplex als Schlüssel zum Geschichtsverständnis und fürs künftige Leben:

 

Neugier, Liebe, Revolution.

Mein Leben 1930 – 2015

 

Von Rainer Thiel,

einer Handwerkerfamilie entstammend,

produktive Menschen

zum Aufrechten Gang ermunternd.

Ergänzte Zweit-Auflage der Ausgabe von 2010 

trafo verlag berlin, 420 Seiten, 15,80 Euro

 

 

Klappentexte der Verleger:

Nach acht Jahrzehnten zieht Rainer Thiel Bilanz. Als habilitierter Philosoph samt Mathematik lernte er gesamtgesellschaftlich zu denken und steht zu seiner sozialistischen Überzeugung, obwohl er ständig Ärger mit Leuten hatte, die das System verwalteten. Die einen stempelten ihn zum Agenten, andere verweigerten ihm die Zusammenarbeit. Sie bescheinigten ihm Fleiß, doch zum Lügen war er zu faul. „So ward ich immer wieder ausgeschlossen aus den Instituten für Philosophie und Wissenschaftstheorie. Aber es ist gut so gewesen“, sagt er am Ende.

Thiel sieht die Welt dialektisch. Der Weg des geringsten Widerstandes war seine Sache nie. Ein freundlicher Revolutionär, der die Welt verändern will. „Meine Eltern waren freundlich zu anderen Menschen. Auch ich bin meistens freundlich, zu Kollegen, zu den Leuten in meinem Dorf, in meinem Städtchen. Und Freundlichkeit wird meist erwidert, so dass ich mir auch wagen kann zu sagen: „Wir müssten mal wieder auf die Straße gehen!“ Mit Genossen von der Linkspartei komme ich gar nicht bis zu diesem Punkt. Sie schauen schon zuvor auf ihre Uhr und rufen: „Ich muss schnell nach Hause, meine Frau wartet mit der Mahlzeit.“

Thiel ist bei Attac, in der Sozialen Bewegung Land Brandenburg, bei den Freidenkern, bei der Unabhängigen Montags-Demo Berlin und nah bei Occupy, ferner beim Rohrbacher Kreis, bei Initiative für eine humane Welt und verbunden mit DGB-Kreis Elbe-Elster.

 

 

Bitte beachten Sie auch mein bisher vorletztes Buch (2009):

„Allmähliche Revolution – Tabu der Linken. Zwei Arten Abstand vom Volk: Auf Wunder warten, und ´Gebt eure Stimme bei uns ab´“

(Kai Homilius Verlag, 271 Seiten, bei Libri und Amazon gelistet, verbesserte Auflage von „Die Allmählichkeit der Revolution – Blick in sieben Wissenschaften“, LIT-Verlag 2000)

Auch einige der zuvor erschienenen Bücher von mir sind bei http://www.amazon.de auffindbar und können dort bestellt werden.

 

Sie können auch meine Website http://www.thiel-dialektik.de

besuchen.

Kontakt: rainer@rainer-thiel.de

 

 

 

Seit 2004 bin ich bei vielen Demonstrationen. Dort ist meine linke Heimat.

Heute erst recht. Weil PDS/Linkspartei das Schicksal der Erwerbstätigen und der Erwerbslosen aus den Augen verloren hat. Warum? Weil Linksparteien unfähig sind, mit parteilosen Aktiven auf gleicher Augenhöhe zu sprechen.

Hierzu einer meiner vielen Texte, die von ND und jw abgelehnt, aber 2010 bzw. 2011 von den Kleinzeitungen „Barnimer Bürgerpost“ (BBP) und „Artikel Eins“ sowie in einigen linken www , z.B. http://www.scharf-links.de/ und ZZI, veröffentlicht wurde. Hier der Wortlaut:

 

 

 

 

 

Die Linkspartei hält sich für pluralistisch. Doch worin ist sie pluralistisch?

Wird sie das in ihrem Programm klären? Wird sie Angst haben beim Worte „Sozialismus“? Ein kluger Mann mit Welt-Erfahrung sagte: „Dem Versuch, den Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus wieder zu beleben, muss allerdings eine gründliche Analyse der Gründe für das Scheitern der bisherigen Sozialismusversuche vorausgehen.“ (Saral Sarkar in „Sozialistische Zeitung“ Köln, April 2010) Oder hat sich das Thema für euch erledigt? Ich möchte meine Meinung sagen, in dieser Nummer der Barnimer Bürger-Post BBP 2011, mit einer Fortsetzung in der nächsten Nummer:

 

Das Volk will Sozialismus?!

 

 

Gelächter. Oder kein Gelächter?

 

Will das Volk womöglich doch? Und wenn das Volk womöglich möchte – wird es glauben, dass es geht? Was versteht das Volk unter Sozialismus? Wie viele Sparten hat das Volk? Und dann die Partei. Was ist sie? Da kann ich gar nicht lachen. Oder wollen etwa die Medien, die Universitäten, die Talk-Master dem Volke helfen, sich zu orientieren? Was kann die Kirche? 

 

 

Eine Partei begann sich Ende 1989 neu zu formieren, nachdem sie sich dem Zerfall preisgegeben hatte. Nachdem 90 Prozent ihrer Mitglieder davongelaufen waren. Gregor Gysi nahm sich kurz nach dem Desaster der SED zehn Sekunden, um sich im Namen der Partei beim Volk zu entschuldigen. Hundert Minuten gebrauchte er um zu sagen, man wolle sich vom Stalinismus lösen. Warum nicht eher schon so deutlich? Niemand konnte dem neuen Vorsitzenden vorwerfen, nicht gut genug geredet zu haben. Ein Glück überhaupt, dass er hineingesprungen war in die Verwirrung. Den symbolisch übergebenen Besen zum Ausfegen hat er anfangs genutzt. Drei Jahre später war ich tief enttäuscht. Doch zu Beginn war ich noch nicht enttäuscht.

 

  Seitdem sind zwanzig Jahre vergangen

Nun liegt der Partei, immer noch der größten unter den Linken, ein Programm-Entwurf vor, ein neues Papier nach schwachen Vorläufern. Schon ein halbes Jahr vorm neuen Programm-Entwurf hatte ich in meinem jüngsten Buch ein Kapitel überschrieben „Oskar hat verstanden“. In vergleichbarer Lage hatte Rosa Luxemburg an Clara Zetkin geschrieben: „Wir haben doch noch Männer in der Partei.“ (November 1911) Nun ist Oskar krank. Und noch kennt das Volk den neuen Programm-Entwurf nicht. Wie wollt ihr den Entwurf dem Volk bekannt machen? Werden eure Mitglieder sich unters Volk mischen? Ich meine, Millionen Bürger würden gern ermutigt werden zu einem gründlichen System-Wandel, denn Millionen Bürger haben den Kanal voll vom Bisherigen. Millionen Bürger würden erkennen, dass man in der ehemals führenden Partei aus der Geschichte gelernt hat. Millionen Bürger würden sagen: Donnerwetter, die Linken haben gründlich gelernt, endlich und gründlich gelernt, jetzt verstehen wir, was mit Sozialismus gemeint ist: Sozialismus ist doch, was wir – die Lohnabhängigen und Mittelständler - schon immer gewollt haben. Jetzt ahnen wir auch, wie wir zum Sozialismus kommen können.

 

  Wollt ihr endlich die Spaltung der Lohnabhängigen in Jobbende und Erwerbslose überwinden, die Spaltung der Arbeiterklasse? Millionen rackern sich halb tot, Millionen gehen psychisch kaputt an der Langzeit-Arbeitslosigkeit. Das berichten ja schon manche Zeitungen. Die Herrschenden reiben sich ob der Spaltung die Hände.

 

Doch nun fragt man sich in Euren Reihen schon, ob der Entwurf nicht doch zu links wäre, das Volk wolle vom Parlament vertreten sein, es wolle weiterhin gebückt sein und sich heraushalten aus der Politik, sogar Untertan wolle es bleiben. Das höre ich aus Euren Reihen.

 

  Macht es Euch nicht so einfach. In der DDR habt Ihr den Bürgern allzu vieles vorgeschrieben, und heute habt Ihr Angst, die Bürger zu ermutigen. Ihr schimpft auf Radikalos und versteht nicht, warum junge Leute verzweifelt sind. Nie seid Ihr den Dingen auf den Grund gegangen. Ihr habt euch selber nicht bis auf den Grund befragt, bis dort hin, wo es weh tut: In der DDR hätten wir keine Demokratie gehabt - als wenn wir nicht anders gekonnt hätten. Die Sowjetunion hätte uns nicht gelassen? Aber was haben wir uns selber nicht erlaubt? Als Mitglieder der SED? Aussprachen hätte es geben können, das gebot unsre Verfassung, aber ihr habt im Mitbürger allzu schnell den feindlichen Agenten gesehen. Und nun barmt Ihr: Die Arbeiterklasse - unser Subjekt – sei uns „abhanden gekommen“. Einfach so – abhanden gekommen? Einfach so? Doch Ihr kommt aus der Partei, die vierzig Jahre lang an den Hebeln saß.

 

Wie habt Ihr diese vierzig Jahre mit den Arbeitern geredet? Habt Ihr sie verstanden? Seid Ihr nicht aufs Befehle-Erteilen ausgewichen? Wie kommt es denn, dass Ihr auch heute noch Abstand haltet zum Volk?

 

Die Wählerstimmen wollt Ihr. Doch wenn ich Euch berichten will von der „Sozialen Bewegung Land Brandenburg“, von „Bundesweite Montagsdemo“, von Attac in Berlin und vom Flyer der NPD in meinem Briefkasten, dann schaut Ihr auf die Uhr und ruft: „Ich muss schnell nach Hause, meine Frau wartet mit der Mahlzeit.“ Und als eine Bürger-Initiative 106 000 (einhundertsechstausend) Unterschriften gesammelt hatte gegen den Plan der Regierung, Schulgeld zu erheben, verfassungswidrig, getarnt als Bus-Geld für die Kinder, die nur noch mit dem Bus zur fernen Schule können, weil die nahen Schulen geschlossen wurden, da habt Ihr öffentlich aufgerufen zum Boykott jener Kundgebung, die dem Landtag fünfzig Kartons mit den Listen der Unterschriften übergeben wollte. Ihr hattet nicht mal gegengehalten, als ein Staatssekretär den Landtag belog. Eine Bürgerinitiative hatte das aufgedeckt. Doch Ihr wolltet keinen Ärger mit den Regierenden. Dafür habt Ihr Euch bis heute nicht entschuldigt. Und trotzdem wollt Ihr gewählt werden. Als in meinem Städtchen dreihundert Schüler erneut begannen, sich gegen die Liquidation der Abiturstufe zu wehren, habt ihr 4 (vier) Eurer hochbezahlten Landtagsabgeordneten geschickt, um den Schülern anzudeuten, „geht nach Hause, wir werden im Landtag vorstellig.“ Leider hat ein Teil der Schüler auf euch vertraut. So blieb nur noch die Hälfte der Schüler, um beim Marsch zum Rathaus zu rufen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“

Wie lange werden euch die Wähler wählen?

Schon oft haben Bürger gesagt: Wir wählen gleich das Original, dort ist das Geld. Viele Bürger wählen noch Linkspartei, weil sie glauben, Ihr seid links. Doch wenn Wähler dahinter kommen, wie es wirklich ist? Ob Ihr es ernst meint? Was dann? Als am Weltkriegs-Friedhof im Landkreis Dahme-Spreewald gegen die Nazis zu demonstrieren war, fuhr Euer Omnibus aus dem Nachbarkreis in die entgegengesetzte Richtung: zur Feier „Hundert Tage PDS im Bundestag“. Kürzlich am 13. Februar galt es, in Dresden die Nazis zu blockieren. Zwischen Oder und Spree startete ein Bus mit Blockierern, mit zwanzig Studenten und drei älteren Semestern. Die Hälfte der Sitze blieb leer. Und wenn ich mit Euch beraten will: Wie kann denn Hartz IV überwunden werden? Ich meine durch Arbeitszeitverkürzung der noch Jobbenden. Da sagt Ihr, die noch Jobbenden wollen keine Arbeitszeitverkürzung. Doch wie sollen sie denn wollen, wenn Ihr ihnen den Zusammenhang nicht zeigt: Die Jobbenden machen sich mit Überarbeit kaputt und die Langzeitarbeitslosen bleiben kaputt liegen, weil Arbeitsplätze fehlen. Ist das nicht himmelschreiend? Glaubt Ihr, Wachstum würde Arbeitsplätze bringen?

Ihr verweigert den Betroffenen alle Orientierung, die Ihr als Partei geben müsstet, denn die Partei könnte, wenn sie will, Zusammenhänge erläutern, die der Einzelne in seiner Isolierung nicht erkennt. Zusammenhänge betreffend habe ich im Haus Eures Bundesvorstands vorgesprochen, zusammen mit einem Genossen aus Dresden und einem Genossen aus FFM. Als ich bemerkte, dass das von Euch abprallt, habe ich über mein Konzept geschrieben „Fangt endlich an mit Politik“. (Siehe http://www.thiel-dialektik.de/) Doch davon habe ich noch nichts bemerkt.

(Fortsetzung folgt im November 2010)

Fortsetzung aus BBP Oktober 2010. Dort waren die ersten Zeilen: „Das Volk will Sozialismus. Gelächter. Oder kein Gelächter? Will das Volk womöglich doch?“

Darf das Volk nicht Sozialismus wollen?

Wie waren wir einst gestartet?

Linke hatten sich einst als Partei der Arbeiterklasse definiert. Deshalb bin ich 1949 Mitglied der SED geworden und habe Lehrer gefunden: Altkommunisten, Kämpfer. Von ihrer Art gab es nicht viele. Oft habe ich in der Produktion gearbeitet. Deshalb weiß ich, dass es die Kommunisten nicht leicht hatten. Die Arbeiter waren so kurz nach dem Krieg nicht vorbereitet, ihr Eigentum an den großen Betrieben wahrzunehmen. Aber die Partei hatte recht getan zu sagen: Kollegen, ihr wollt besser leben, also müssen wir von eurem Tageswerk etwas einbehalten, damit wir investieren können, in der Industrie, in der Bildung, in die Infrastruktur, in den Schutz vor Korruption und Diebstahl. Das hatte Marx in seiner Kritik am Gothaer Programm der Sozialdemokratie deutlich gesagt. Nur wenige Arbeiter verstanden das. Aber wir hätten es den Arbeitern erläutern können, dazu brauchten wir nicht die Deklaration zur führenden Partei, das große Bumbum.

Kollegen der Industrie-Betriebe hatten erlebt, dass ihre Maschinen in die Sowjetunion verbracht wurden. Nicht zur Reparatur, sondern als Reparation. Das hat uns allen weh getan. Trotzdem ertrugen es die einheimischen Arbeiter. Haben sie geschwiegen, weil sie noch nicht vergessen hatten? Die Sowjetunion ist von uns Deutschen verwüstet worden!

 

Als ich – geschasster Student – von meinen Kollegen auf einer Baustelle zum Brigadier gewählt wurde, um die tägliche Arbeit abzurechnen, habe ich mich nicht auf die führende Rolle der Partei berufen. Ich habe meinen Kollegen Zusammenhänge erläutert. Natürlich war das kein Cäsarenritt, kein „veni, vidi, vici“. Die Kollegen sagten mir am Sonntag beim Wodka: „Du musst mal verstehen, uns hat der Staat drei Mal beschissen: „Beim Kaiser, in der Weimarer Zeit und bei Hitler. Jetzt wollen wir mal den Staat bescheißen.“ Sie akzeptierten aber, dass ich unseren täglichen Erdaushub abrechnete und zugleich dem Staat von unsrer hoch-prozentigen Norm-Erfüllung den Rundungs-Überschuss zukommen ließ: zum Investieren. Andere Brigaden schlugen auf ihre 150 Prozent Normerfüllung noch 50 Prozent drauf und empfingen die Prämien. Das habe ich an der Wandzeitung kritisiert. Als es bei Auflösung der Baustelle zur Verabschiedung kam, sagte mir ein Kollege: „Am Anfang haben wir uns über dich geärgert, ein Knüppel war schon bereit, aber dann haben wir gemerkt, dass du einer von uns bist.“

 

Arbeiter als Funktionäre

Gerade entgegengesetzt verlief die Entwicklung von Arbeitern, die als Genossen in eine Funktion berufen und bald zu einem Lehrgang delegiert wurden. Sie sollten Zusammenhänge verstehen lernen. Das war bitter nötig. Die Partei musste nicht nur hundert Länder sehen, sie musste auch hundert Jahre Geschichte mit ihren Weltkriegen überblicken, da hatte sich so mancher Arbeiter betören lassen, weil er froh war, endlich einen Arbeitsplatz zu finden: Er dachte an den Lohn für seine Familie. Also baute er fleißig Autobahnen für schnelle Truppenverlegung, und Rüstungsfabriken und Kanonen baute er auch. Nach dem Krieg erzählte mir ein Arbeiter, wie er einen Raupenschlepper der schweren Artillerie gelenkt hatte. Darauf war er stolz. Mit Maschinen kann er umgehen, das imponiert mir. Doch was hatte er dabei gedacht? Ein andrer Kollege meinte in der Frühstückspause: „Wenn keen Kriech gewesen wär, wärn mr nie nach Paris gekomm.“ Doch was hatte er dabei gedacht? In der Frühstückspause kam zur Sprache, was am Sonntag gegessen wurde. Da blieb mir wenig Zeit, um meinen Kollegen zu erläutern, dass Experten in der Industrie etwas mehr Gehalt bekommen müssen, damit sie nicht in den Westen abhauen. Als sich im Westen die Schaufenster füllten, hatten wir noch nicht mal einen funktionierenden Hochofen. Und als wir gemeinsam mit unsrer Besatzungsmacht noch hungerten, konnten Amerikaner Care-Pakete in ihren Besatzungszonen verteilen. Da musste ich exakt überlegen, wie ich meine Worte setze. Immerhin hatte ich Abitur, viel Volkshochschule und fast sechs Semester Studium hinter mir, darunter Mathematik.

Wie soll aber nun ein Arbeiter in vier Monaten Lehrgang lernen, was zu lernen war? Er lernte Schlagworte, mehr war in der kurzen Zeit nicht möglich, und die Lehrer wussten selber nicht viel mehr. Mit den Schlagworten arbeitete der Arbeiter fortan als Funktionär. Die Arbeiter verstanden ihn nicht. Für sie war der Funktionär kein Arbeiter mehr. Das sehen sie noch heute so, im Jahre 2010. Sie fühlten sich verscheißert und neigten zum Mosern. Umso mehr klammerte sich der Funktionär an die fleißig aufgesogenen Schlagworte. So war er scheinbar Sieger, doch nur scheinbar. Und die Partei schwindelte sich weiter in die eigene Tasche.

 Die Lehrer der Funktionäre hätten selbst viel lernen müssen. Dazu wurde auch Hochschulausbildung geboten, doch dort dominierte Karriere vor der Forschung. Einst war man angetreten: „Wenn wir nicht reden, redet der Klassenfeind.“ Das habe ich auch gedacht. Aber im Laufe von fünf Jahren hätte das anders werden müssen: Jetzt müssen wir anfangen zu forschen, zum Beispiel in der Philosophie, im Fach „Wissenschaftlicher Sozialismus“. Und endlich die Klassiker studieren, denn wir kannten nur Bröckchen. Wer aber Professor werden wollte, hat sich vor den Apparatschiks geduckt, die nun auch im Apparat des Zentralkomitees zu herrschen begannen und an ihre scheinbare Weisheit glaubten. Selbst das wenige, was auch Karrieristen richtig sahen, drückten sie rein akademisch aus.

 So viel in Kürze: Kompression von Jahrzehnten auf hundert Zeilen, Kompression, dass es kracht. Das kann nicht ausbleiben, wenn jahrzehntelang um den heißen Brei herumgeredet wurde. Dann muss der Kragen platzen. In meinen Büchern habe ich alles genauer berichtet, mit vielen, vielen Nuancen und Erläuterungen. Auch Lichtlein habe ich positioniert, die ich für links halte. Heute scheint mir zum Beispiel Gesine Lötzsch ein Lichtlein. Aber Ihr lasst Euch am liebsten über Südamerika informieren. Wollt ihr Sozialismus etwa importieren? Wollt Ihr auf Wunder warten? Habt Ihr die Alternative zum Wunder?

 Mit den Bürgern reden?

Rede ich mit meinen Mitbürgern, muss ich beachten: Ihnen ist der Teller näher als Menschheit, Bundesrepublik und Grundgesetz, näher ist ihnen der heutige Tag als die Katastrophen vor ihrer Geburt. Da muss ich mir viel Zeit nehmen, um Verständnis zu erlangen. Unter ihnen bin ich weit und breit der einzige Mensch mit Hochschulabschluss. Doch eure Mitglieder sitzen in ihren Versammlungen und befassen sich mit sich selber. Dass die Soziale Bewegung Land Brandenburg auch schon mal Gäste aus allen linken Parteien angezogen hatte, war wie ein Wunder. Doch dass wir auf dem Marktplatz einer Großstadt auch die Internationale gesungen haben, das hat Eure Zeitung verschwiegen. Nun also, Mitglieder der Linkspartei, fangt an, in aller Öffentlichkeit den Weg zum Sozialismus zu erläutern. Dann kann ich das Wort „Tabu“ im Titel meines neuen Buches zurücknehmen. Dann heißt es pur: „Allmähliche Revolution“.

Von Rainer Thiel erschien 2009 „Allmähliche Revolution – Tabu der Linken. Zwei Arten Abstand vom Volk: Auf Wunder warten.... und ´Gebt eure Stimme bei uns ab´“ Oder wollt Ihr Untertanen bleiben?

Von Thiel erschien auch

1993 und folgende Jahre Berichte über Erfinderschulen in der Deutschen Demokratischen Republik und wie es zur Fortsetzung in Bayern kam. Gegenwärtig wünschen aufmerksam gewordene Professoren eine Neuauflage der Erfinderschul-Lehrbriefe, die 1988/89 von Dr. Ing. Hansjochen Rindfleisch (Verdienter Erfinder) und Dr. phil. habil. Rainer Thiel erarbeitet und im Eigenverlag des Ingenieurverbands Kammer der Technik KDT publiziert worden sind.

1998 „Marx und Moritz. Unbekannter Marx. Quer zum Ismus“ (trafo verlag)

2001 „Schülerstreik in Storkow“, (trafo verlag)

2002  „Der Stausee unterm Auersberg. Die Talsperre des Friedens in Sachsen und der Mythos ihrer Erbauer“, trafo verlag

2005 „Das vergessene Volk. Mein Praktikum in Landespolitik“  (Regionen Verlag) Der Titel hätte auch lauten können: „Wie Bürger-Initiativen für die Bildung kämpften und durch Politiker aller Farben verraten wurden, auch durch kriminelle Akte“.

2012 im April erschien im Laika Verlag ein Sammelband „Kaltes Land. Gegen die Verrohung der Bundesrepublik. Für eine humane Demokratie“, mit Geleitwort von Stéphane Hessel und Beiträgen u.a. von Holdger Platta, Friedhelm Hengsbach, Christoph Butterwegge, Frigga Haug, darin auch ein Beitrag von R. Thiel „Wie lange noch die Angst vor Arbeitslosigkeit?“

Inhaltsverzeichnisse und Informationen zur Entstehung in www.thiel-dialektik.de

Unter den vielen Büchern, die ich gelesen habe, war ich am meisten mitgenommen von dem Buch „Den Kommunismus mit der Seele suchen. Wolfgang Langhoff – ein deutsches Künstlerleben im 20. Jahrhundert.“ Das Buch aus dem Verlag Kiepenheuer & Witsch las ich im April 2012. Mit brüderlichen Grüßen an die Autorin Esther Slevogt, die aus Paris stammt und in Düsseldorf und Berlin studiert hat.

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Ostermarsch Potsdam

31. März 2012, Abschlusskundgebung, Rede von Rainer Thiel (inzwischen veröffentlicht in alternativen Medien):

Liebe Freunde,

seid gegrüßt aus Storkow und Berlin, von einem Rentner, der aktiv ist in Soziale Bewegung Land Brandenburg, bei ATTAC bundesweit und bei UMOD - der Unabhängigen Montags-Demo in Berlin am Fernsehturm. Zugleich auch Freund der Freidenker. Und Friedensfreund bin ich sowieso. Ich habe als Vierzehnjähriger im Bombenhagel gestanden, ich habe Feuer zu löschen versucht, bis die Wassereimer leer gewesen sind. Aus dem brennenden Haus habe ich eine alte, demenz-kranke Frau mit meinem Vater die Treppen hinab getragen, der Feuersturm blies ihr das Nachthemd vom Leibe, und ich sah, was sich darunter verbarg. Ein paar Straßen weiter ist meine Oma bei lebendigem Leibe verbrannt. Zehn Zentimeter Neuschnee, kurz vor den Bomben herabgefallen, waren in einer Nacht hinweg geschmolzen, und meine Augen waren voller Ruß vom Feuer. Die ganze Innenstadt von Chemnitz zerbarst, noch wochenlang stank es nach Asche und verbranntem Holz.

Doch ich begann zu lernen. Und zu singen: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt....“ So begann die Hymne einer jungen Republik. Das gefiel mir besser als „Deutschland Deutschland über alles, über alles in der Welt....“ Und so bin ich Kommunist geworden. Das Höchste schien mir, dass die arbeitenden Menschen einig sind und die Wirtschaft in ihre Hand nehmen. Wir sprachen von VEB und von Einheit der Arbeiterklasse. Und jeder hatte einen sicheren Arbeitsplatz. Die Frauen wurden berufstätig, die Kinder waren glücklich in der Kita, die Frauen hörten auf, den Männern untertan zu sein. Das war richtig, das war Freiheit. Doch wir Initiatoren waren oft zu arrogant. Und so kam es, dass unsre Mitbürger uns nicht mehr haben wollten, obwohl wir recht gehabt hatten. Und als unsre Mitbürger endlich auf die Straße gingen und riefen, „Wir sind das Volk“, da war es schon zu spät. Millionen verloren ihren Arbeitsplatz.

Heute ist die Gesamtheit der Erwerbsfähigen tief gespalten: Es gibt Jobbende, und es gibt Erwerbslose. Es gibt Tarif-Löhner, und es gibt Leiharbeiter. Wenn Frauen ihren Leib verleihen, gilt das als Hurerei. Doch heute gibt es Menschen beiderlei Geschlechts, die verleihen ihren Leib durch Leiharbeit. Und es gibt Hartz-IV-Betroffene, die so arm sind und so schikaniert werden, dass sie psychisch tot am Boden liegen. Einige von ihnen verleihen ebenfalls ihren Leib im Ein-Euro-Job.

Dabei haben wir ein Grundgesetz, das mit den Worten beginnt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Doch die staatliche Gewalt hat vor der Wirtschaft kapituliert. Die Parteien im Bundestag haben das Grundgesetz unterlaufen. Daran sind wir selber schuld, denn in unsrem Grundgesetz steht auch: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Doch die Staatsgewalt haben wir noch nie in die Hand genommen.

Also muss unsren Mitbürgern Mut gemacht werden, auf die Straße zu gehen und die Staatsgewalt in die eignen Hände zu nehmen. Von Attac und Occupy gehen Impulse aus. Doch warum ist ihr Werk so schwierig? Die Jobbenden sind nach ihrer 40-Stunden-Arbeitswoche k.o. und versinken abends vorm Televisor. Keine Kraft, um auf die Straße zu gehen. Und die Langzeitarbeitslosen sind super-arm und psychisch kaputt.

Aus Angst vor Erwerbslosigkeit leisten die Jobbenden Überstunden und lassen sich antreiben. Der DGB publizierte in diesen Tagen Statistiken und verkündete im Internet:

„Bundesweit jeder zweite Beschäftigte fühlt sich bei der Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt – die Frauen sind besonders betroffen. 63 Prozent der Jobbenden bemerken, dass sie immer mehr leisten müssen. 20 Prozent leisten 10 und mehr Überstunden.“ Das sind die Fakten, ich habe nur das Bürokratendeutsch gemildert.

Also Arbeitshetze, Überstunden, Stillehalten. Warum, zum Teufel, lassen sich das die Jobbenden gefallen? Sie glauben, jeder müsse als Einzelner seinen Arbeitsplatz verteidigen. Als Einzelner. Als Einzelner. Der Mensch als Einzelner! Alles andere wäre kollektiv und kommunistisch. So tönt es in den Medien. Warum aber, zum Teufel, greift die Gewerkschaft nicht ihre stolzen Traditionen auf und fordert Arbeitszeitverkürzung, 30-Stundenwoche, mit vollem Lohnausgleich?

Arbeitfairteilen. Vollzeitarbeit neuen Stils. Mit diesem Kompass hat es ja schon mal 150 Jahre lang funktioniert. Die Arbeitszeit wurde von 80-Wochenstunden im 19. Jahrhundert bis auf 35 Wochenstunden am Ende des 20. Jahrhunderts reduziert. Das hat Kampf gekostet, doch es ging. Warum wird das nicht wieder aufgegriffen? Warum wird dieser Kompass nicht wieder zur Hand genommen? Dann würden Arbeitsplätze frei für die Hartz-IV-Geschundenen, und die bisher 40-Wochenstunden-Löhner hätten Zeit für ihre Familien, für ihre Kinder, für Hobby, Sport und Politik! Das müsste der Kompass sein.

Und für den Lohnausgleich bei Arbeitszeitverkürzung gibt es jede Menge Geld. Ich habe mal geschätzt: ca. 160 Milliarden Euro pro Jahr. Dann könnte auch ein Niedriglöhner bei 30 Stundenwoche mehr Geld in die Tasche kriegen als bei 40-Stundenwoche. Und das Problem des Mindest-Lohnes wäre gleich mit gelöst. Stattdessen bröseln Politiker, ob 8,50 oder 10 Euro Mindestlohn möglich seien. Aber wir brauchen nur mal zu fragen, wo die 160 Milliarden Euro bleiben, die der Staat den Banken und den Konzernen zukommen lässt. Wir sollten auch mal beginnen, in Kategorien des Strafgesetz-Buches zu denken. Was die Regierung macht, ist, Gelder zu veruntreuen, die vom Volk erarbeitet worden sind.

Den Hut aber ziehe ich vor den Mitbürgern, die in unsrer Region zu Tausenden gegen den Flug-Lärm auf die Straße gehen. Ich ziehe den Hut vor den Mitbürgern, die zwischen Oder und Spree den Energie-Riesen Vattenfall in die Schranken gewiesen haben, und ich ziehe den Hut vor unsren Freunden von Attac und Occupy, die mit dem Ruf auf die Straße gehen: „Banken in die Schranken, Banken entmachten“.

Da ist es nicht mehr weit bis zu dem Ruf: „Die Großbanken in Volkes Hand, das Volk sind wir!“ Was heißt denn überhaupt Eigentum? Vom Grundgesetz geschützt ist das kleine Eigentum, vom Häuslebauer bis zum Mittelständler. Das ist geschützt durch das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Doch die Bäume dürfen nicht in den Himmel wachsen. Als die Saurier zu groß wurden, starben sie aus. Das hat die Natur zuwege gebracht. Und Super-Saurier hat die Natur gar nicht erst entstehen lassen.

Wir brauchen Sparkassen und Genossenschaftsbanken, aber wir brauchen keine Großbanken. Sie sind ein Teufelszeug, ein Teufelsgezücht. Wem das Wort nicht gefällt, dem sage ich: Nicht ich bin es, der teufelt, nein, das haben die Regierenden mit ihrer Wirtschafts-Politik getan. Wo einst kreativer, solider Mittelstand wirkte, sind Glücksritter gedopt worden, gedopt, sodass mit Doping-Mitteln Super-Saurier entstanden. Wenn das sogenannte Eigentum so groß wird, dann hört es auf, Eigentum im Sinne der Gesetze zu sein. Dann muss es in die Hand des Volkes. Schon vor dreißig Jahren hat ein Jura-Professor in Hamburg gesagt: Eigentlich brauchen wir nicht mal von „Enteignen“ zu sprechen: Was super-groß ist, „muss außer Eigentum gestellt werden“. Auf die Größe kommt es an. Also bitte: Was zu groß ist, „Außer Eigentum stellen!“ Und wenn es technologisch sinnvoll ist: dann muss es in des Volkes Hand. Ich fühle mich bestärkt durch Sahra Wagenknecht. Ihr jüngstes Buch heißt „Freiheit statt Kapitalismus!“. Das hat mir geholfen, mich zu steigern: Anfangs war unser Ruf „Wir sind das Volk“. Ich füge hinzu: „Das Volk ist die Natur“. Und nun folgt für mich der dritte gute Spruch: „Freiheit statt Kapitalismus!“

Aber die bescheidenen Lohnarbeiter, die gewöhnt sind an vorgegebnen Arbeitsrhythmus, an den Takt der Maschinen, der Fahrpläne und der Kundenbetreuung, also  die Rhythmus-Gewohnten, sie brauchen Ermutigung durch die Gewerkschaft, durch linke Parteien. Sie waren schon mal anfällig geworden für Reden großer Redner. Da gewannen sie sogar den Mut, in große Kriege zu ziehen. Das haben sie bis heute nicht verkraftet. Sie sind in Not und brauchen Hilfe.

Doch wo bleibt die Hilfe? In Klammern füge ich hinzu: Bei unterlassener Hilfeleistung wird vom Strafgesetzbuch Freiheitsstrafe oder Geldstrafe angedroht. Siehe § 323c. Daran möchte ich alle erinnern, die mit Politik ihr Geld verdienen. Ich bestrafe alle Parteien damit, dass ich seit 1992 Jahren parteilos bin.

Doch wir müssen uns vor allem selber helfen. Wir brauchen nicht nur Klage über Hartz IV, wir brauchen Alternativen: Arbeit für alle, 30-Stunden-Woche für alle und mit Entgeltausgleich, damit die Spaltung überwunden wird. Dann sind wir stark. Das schreiben wir auch allen Parteien ins Stammbuch. So kommen wir dem Ziele näher: Freiheit statt Kapitalismus!

Rainer Thiel. Aus der Datei „UMOD Flyer VI Mitte Dez 2013.doc“:

War da etwas im September?

Ach ja, die Wahlen. Frau Merkel hielt die Hände auf und lächelte: „Ich liebe euch doch alle!“ Und „Ja zum Leben – Nein zum Nichts!“ (Glosse frei nach „Publik Forum. Kritisch, christlich, unabhängig“.) Frau Merkel hatte laut gesagt: „Keine Steuererhöhungen.“ Kleine Leute glaubten, das gälte ihnen. Doch Frau Merkel hatte gemeint: „keine Steuererhöhungen für Millionäre“. Aber die SPD wollte für die kleinen Leute sein: Vermögenssteuer oder –abgabe? Beides! Das hatte schon der DGB gewollt („Klartext“ Nr. 41/2011 vom 18. November 2011)

 

Und was ist im Dezember?

Große Koalition. Sechs Minister-Posten für die SPD, für die Super-Reichen keine Vermögenssteuer, keine Schranken für die Erbschaftssteuer, aber Schranken für den Spitzensteuersatz. Jaja, die große Koalition. Das tut sogar Herrn Steinmeier weh, dem Chef der SPD-Fraktion im Bundestag: „Die große Koalition soll nicht zum Regelfall der Demokratie werden.“ Herr Steinmeier meint die Koalition der Parteien. Vielleicht sind die Parteien überhaupt nicht gut für die Demokratie?

 

Also klingelt der Wecker:

 

Brauchen wir noch Parteien? Worauf besinnen wir uns? Auf den Wesensgehalt des Grundgesetzes GG: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Artikel 1) „Das Eigentum“ wird „gewährleistet“, „Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.“ (Artikel 14) Solche Gesetze müssen wir machen: Was über alle Schranken geht, muss „außer Eigentum“ gestellt werden. „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in ..... Abstimmungen ..... ausgeübt.“

 

Warum erlebte das Volk noch keine Bundes-Abstimmung? „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Aha, Artikel 21. Hat denn das Volk keinen Willen ohne Parteien? Oder hat es einen Willen, der durch Parteien zu „bilden“ ist? Was kam heraus in 64 (!!!) Jahren seit 1949, als Parteien die „Mitwirkung an der Willensbildung“ übernahmen? Wähler sagen nun: „Was sollen wir denn tun? Die da oben machen ja doch, was sie wollen.“ Also haben Parteien durch ihre „Mitwirkung“ das Grundgesetz GG unterlaufen. Parteien sind in den Ruhestand zu versetzen.

 

Demokraten beginnen den Aufstand

 

Mutige Bürger begannen, Interessen des Volkes zu verfechten: Zum Beispiel Attac, Occupy, „Mehr Demokratie“, Bürger christlichen Glaubens, Gewerkschaftsaktivisten, Greenpeace, BUND, Campact, Montags-Demonstranten (u.a. Unabhängige Montags-Demo UMOD), „Die Anstifter“, Amnesty International, „Initiative für eine humane Welt“ (Ehrenvorsitz Konstantin Wecker), und viele Hundert andere. Ehrenämtler dominieren.

 

Oft orientieren sich Netze und Korporationen an speziellen Interessen des Volkes. Doch stets haben sie das Ganze im Blick, denn das Volk besteht nicht aus 80 Millionen „Einzelner“. Keineswegs. Wir sind nicht „Einzelne“. Das Wesen des Menschen ist das Ensemble von Individuen in ihren sozialen Beziehungen. Über das Ganze müssen sich Netze und Korporationen verständigen. Stände-Staat wollen wir nicht. Doch Spezialisten mögen ihre Fähigkeiten einbringen. Wir wollen einen Volkskongress! Das Ziel: Freie Entfaltung der Persönlichkeit aller Kinder und aller Bundesbürger! So würde Grundgesetz Artikel 2 mit Inhalt erfüllt.

 

Freie Entfaltung der Persönlichkeit heißt:

 

Freiheit von Armut und Obdachlosigkeit, Freiheit von Angst um den Arbeitsplatz, Freiheit von Angst um die Gesundheitsfürsorge, Freiheit von Mangel an Freizeit. Freizeit für die Familie, für Kultur und auch für Politik.

 

Freie Entfaltung der Persönlichkeit heißt, der Bildung aller Menschen den Vorrang vor allem anderen einzuräumen. Es heißt, den Frieden in der Welt und unsre kosmische Heimat zu sichern. Nationale Beschränktheit überwinden. Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. „Alle Menschen werden Brüder.“ (Friedrich v. Schiller, Musik L. v. Beethoven).

 

Der Volkskongress soll dem Volke erleichtern, sich seiner selbst bewusst zu werden, seine Kräfte zu koordinieren und ab sofort zu beginnen:

 

-  die sog. Volksbildung und die Weiterbildung zu verdoppeln! Mehr Lehrer in den Schulen! Den Banken gegenüber sog. Staatsschulden annullieren.

 

-  Vollzeit-Beschäftigung neuen Typs: 30-Stundenwoche mit Personal- und Lohnausgleich, mehr Freizeit für alle, und für alle Erwerbsfähigen einen Arbeitsplatz. Schluss mit der Erpressung durch Angst. Schrittweise weitere Verkürzung der Arbeitszeit.

 

-  zu bestimmen, was „Eigentum“ heißt: Allen Bürgern Eigentum an Sachen und Spareinlagen, auch mittelständisches Eigentum, doch was darüber ist, ist „außer Eigentum“ zu setzen und dem Volk zu unterstellen. Manager müssen sich entscheiden: Mit dem Volk, oder am Volke vorbei?

 

Der Volkskongress unterscheidet kurzfristig, mittelfristig und langfristig zu lösende Probleme. Statt aller vier Jahre einen Parteien-Bonus in die Box zu werfen, gibt es Volksabstimmungen in kurzen Abständen, mindestens ein Mal im Jahr. Zwischendurch beraten die Bürger in den Städten und Dörfern, in den Betrieben und Ämtern.

 

Der Volkskongress bekennt sich zum Menschenrecht und orientiert, die Gesetze des Zusammenlebens der Bürger den Bedürfnissen anzupassen. Lösung der Eigentums-Fragen ermöglicht, alle Gesetze und Regeln sozial- und zukunftsorientiert umzugestalten sowie die Bürokratie abzubauen.

 

Per Volksabstimmung versetzt das Volk die Parteien in den Ruhestand. Unterm Ruf „Wir sind das Volk“ wurden schon Wunder vollbracht. Bürger hatten Sicherheits-Abkommen mit den Ordnungshütern vereinbart.

Wir ließen uns leider das Heft aus den Händen nehmen. Diesmal besser, Schwestern und Brüder!

Wesentlich ausführlicher: Rainer Thiel „Wahlen 2013 – und was dann?“ In www.Hinter-den-Schlagzeilen.de (bei Konstantin Wecker) und in www.saarland-bote.de  sowie in Barnimer Bürgerpost BBP.

 

 

 

 

 

 

  

 

Kommunismus neu erfinden? Oder endlich auch mal denken?

„Neu erfinden“ – so will es Slavoj Zizek, der „berühmteste Gegenwartsphilosoph des Balkans“. Jedenfalls wird er so verstanden in einem Interview in „Neues Deutschland“ mit der Überschrift „Den Kommunismus neu erfinden“, publiziert am 13. Januar 2016. Der neue Chefredakteur des ND Tom Strohschneider hat möglich gemacht, was bei seinen Vorgängern undenkbar gewesen wäre: Das Wort „Kommunismus“ im ND. „Doch ein Begriff muss bei dem Worte sein,“ heißt es in Goethes „Faust“. Den Begriff will Slavoj Zizek neu erfinden. Ich meine aber, den Begriff gibt es schon, wir müssen ihn nur entdecken. Endlich entdecken.

Scheinbar hatte Marx zu euphorisch über die Arbeiterklasse geschrieben. Scheinbar. Tatsächlich hatte er mit Spitzenkadern der Arbeiterklasse häufiger gesprochen als mit durchschnittlichen Proletariern. Doch Marx war Philosoph und hat geschrieben – für aufmerksame Schüler erkennbar: Was auch immer dazwischen kommt an Rückschlägen – Kommunismus ist mehr, als sich nur satt-essen zu können. Und was auch immer dazwischen kommt an Rückschlägen - Kommunismus ist erstreitbar. Die Linken dürfen nur nicht glauben, es gälte abzuwarten, was die Entwicklung von alleine bringt. Auch kritische Kommentare im Bundestag reichen nicht.

Seit 25 Jahren schreibe ich, den Kommunismus brauchen wir gar nicht neu zu erfinden, wir müssen ihn endlich auch mal denken! Wie es uns Karl Marx ermöglicht hat: Nach hundertfünfzig Jahren Pappschildern und Schlagwort-Abtausch endlich denken! Deshalb kopiere ich jetzt in meine website hinein, was ich 1991 und 1992 im Neuen Deutschland publizieren durfte.

Bitte nicht erschrecken, wenn das Kürzel „EmEller“ auftritt: Es steht für Akademiker, deren Lehrfach „Marxismus-Leninismus“ hieß, abgekürzt ML. Was ich 1991/92 publizieren durfte, ergänzte ich bald und ließ alles zusammen 1998 erscheinen in meinem Büchlein „Marx und Moritz. Unbekannter Marx – Quer zum Ismus“ beim trafo verlag berlin, dort als Kapitel 6, hier ist es:

<< 6.   Zwei Zentren sind in Marxens Werk.  Wer kennt beide?

 

Im Sommer 67 hatte ich im Ministerium für Wissenschaft und Technik, als neuer Mitarbeiter, ein Entwürfchen zu liefern, einen Absatz für das Papier, welches der Chef des Hauses dem Vorsitzenden des Forschungsrates der DDR in die Hand drücken wollte für dessen Rede auf der anstehenden Plenar-Tagung, die dann in der Kongreßhalle am Alex stattfand. Der Vorsitzende des Rates, Professor Steenbeck, nahm das Papier des Ministers nicht und hielt seine eigne Rede. Ohne Verdruß. Der Forschungsrat wurde erst später, durch Honecker, degradiert.

 

Doch vorerst kaute ich am Bleistift. Als Neuling im Apparat hatte ich geglaubt, der Absatz, den ich entwerfen durfte, vertrage ein wenig Feierlichkeit.

 

Plötzlich wurde ich zum Vize des Hauses gerufen. Viel stand noch nicht in meinem Entwurf, doch unter dem wenigen das Folgende: „.... ist die Ökonomie Mittel zum Zweck und die Entwicklung allseitig entwickelter sozialistischer Persönlichkeiten in der sozialistischen Menschengemeinschaft das Ziel unseres Wirkens."

 

Ich ahnte damals nicht, daß das Wort „sozialistische Persönlichkeit" Anpisser finden würde. Auch bei Vierbeinern gibt es Exemplare, die edle Bäume benässen. Den Baum wird man deshalb nicht schlagen.

 

So halte ich es gern für möglich, daß damals auf meinem Papier auch noch die Parteitagsworte folgten: „Die entwickelte sozialistische Gesellschaft ist von der Lebensweise der freien, allseitig entwickelten sozialistischen Menschen geprägt." Bis auf ein Wort hatte das ja auch Goethe ersehnt.

 

Mein Blatt mit den Worten hielt aber erst mal der Vize in der Hand. Da rief er schon: „Was ist denn das für Quatsch?" Ich: „Das ist von Walter Ulbricht. Auf dem VII. Parteitag gesagt." Was vom Vizeminister „Quatsch" genannt wurde: Es stand in Ulbrichts Referat; es war vom höchsten Gremium akklamiert und jedem Funktionär Gebot. Der Text war allenthalben durchzubüffeln. Arglist der Stunde, daß mein Zettel die Quelle der Sprüche noch nicht auswies.

 

Mir gefielen diese Sprüche; ich meinte Marx zu hören. Doch dem Vize waren gerade diese Worte in Ulbrichts Rede nicht aufgefallen. Auch andre Leute sind nicht sensibilisiert gewesen.

 

Selbst die Em/Eller warens nicht. Gleich ihren Gegnern stellten sie Marx/jung gegen Marx/reif. Der Reife habe nur das Thema „Klassenkampf gegen Ausbeutung" gelten lassen und habe sein Jugendthema Menschliche Entfremdung und Menschliche Emanzipation verworfen. Die Gegner gaben vor, den jungen Marx zu dulden. Em/Eller wollten auf den älteren setzen. Sie hatten ihn schlecht gelesen. Denn der reife Marx tauscht sich nicht gegen den jungen, sondern setzt ihn fort. Daß der junge Karl im reifen Marx kontinuiert, merkt man schon, wenn man die MEW-Bände mit den höheren Nummern beachtet, aus denen Jugendliches zur Menschlichen Emanzipation präsent ist.

 

Karl Marx war jung wie reif so rund wie voller Geist. Doch waren Fans nur halbe Monde. Marx hat zeitlebens Geschichte verstanden als Evolution. Darin die Komponenten „Ausbeutung und ihre Aufhebung" ebenso wie „Entfremdung des Menschen und ihre Aufhebung".

 

Was Marx dem Signett „Entfremdung" widmete, war Lesern nicht entgangen, doch gab es in Ost und West nur eine Hand voll. Kenner im Westen sind von „konsequenten Marxisten" gescholten worden. Kenner im Osten sprachen leise. Wolfgang Heise setzte sich in Rudolf Bahro fort. Unikum war A. Kurella. Hat Frühschriften und ihr Geborgensein im Klassiker publik zu machen gesucht - bravo -, doch nur um zu behaupten, die letzten Nachwirkungen der Entfremdung wären in der DDR nahe Null, woraus naive Leser schließen mußten, das Thema sei für uns erledigt. Selbst Festtagsformeln wie die Worte „Mitdenken und Mitregieren" fehlen bei Kurella.

 

Die SED rief: „Wir sind marxistisch-leninistische Kampfpartei." Marx-Porträts und die Buchstaben M, a, r, x überall, in Parteistatut, Parteiprogrammen und tausenden Publikationen; Karl-Marx-Stadt, Karl-Marx-Alleen, Karl-Marx-Orden, letzterer auch der Sozialistischen Tageszeitung verliehen und im Logo des Zentralorgans der SED täglich gezeigt. So hätte man denken können, daß nach der Wende auch erörtert werde, was mit Marx nun sei. Doch still verschwand der Name.

 

Anno 90 hatte Roland Beier eine un-grimmige Marx-Karrikatur geschaffen. Marx mit ND unterm Arm. Karls Antlitz erinnert mich an die freundliche Sonnenblume von B'90/Die Grünen. Heute kokettiert ND mit Beiers Graphik, verwendet sie zur Leserwerbung - und schlägt den Diskurs über Marx nieder. Man spricht mitunter von Marxismus, und schmückt sich irreführend mit dem Namen.

 

Man hätte annehmen müssen, geschlagne Truppen lernen gut. Doch außer Andre´ Brie fragt niemand, ob die SED gescheitert sein könnte, weil sie keine Marx-Partei gewesen ist.

 

Ich hab's erlebt und kurzerhand behauptet. Und lief mit einem Papierchen zur „Sozialistischen Tageszeitung", denn die hatte ein Jahr zuvor noch das Marx-Medaillon an ihrem Sturz-Helm getragen. Was meinte dort das Wissenschafts-Ressort? Es meinte, ich müßte mit Protest von West-Linken rechnen, und wies mich ab.

 

Nun trug ich das Manuskript zum Akademie-Journal „Spektrum", wo es gedruckt ward, unterm Titel „Karl Marx in der DDR", und stellte weitere Fassungen her, die ich in linken Blättern anzubringen suchte. Mit der vierten und fünften Fassung ging ich erneut zum ND und scheiterte endgültig beim Wissenschafts-Ressort. Das schrieb mir, ich hätte Marx auf den Kopf gestellt.

 

Als im ND mal wieder eine lange Verlautbarung zu lesen war, dachte ich: Das kannst DU kürzer. Beim ND ist auch Irmtraud Gutschke, schon immer gedankenvoll und wortschlank. Hoffnungsvoll quere ich noch heute ND-Essays und breche - täglich - den Überflug wegen Redundanz ab. Doch manchmal stutze ich. Genau geschaut: Der Aufsatz war von ihr. Geh zu der Frau und gib ihr dein Papier. Irmtraud Gutschke und Klaus-Dieter Schönewerk druckten mein Manu über Marxens ZWEI Brennpunkte im Feuilleton, im Januar 1992 :

 

**  Wer hat Marx gelesen?

 

Weder Feind noch Freund. Nie fielen die elitären Ausnahmen ins Gewicht. Die sich „Marxisten" nannten, haben dem Riesenwerk von Marx Ausschnitte entnommen.

 

Am Ende der Weltkriege gab es zum Ausschneiden Gründe. Die überlebenden Opfer hatten die Gewinnler zu zügeln. Als danach die Zeit für eine neue Gesellschaft kam, gab es gänzlich neue Probleme. Doch die Auswahl blieb. So wurde Marx von Marxisten abgewickelt. Eingebildet war die Denkkultur, aufgegeben die Dialektik. Das vertiefte die Folgen der Auswahl und gab Totalverfälschung. Die Preisgabe der Dialektik könnte sofort dokumentiert werden.

 

Die SED glaubte, die Lehre von der Ausbeutung sei der einzige Brennpunkt des Werkes von Marx. Marx' Lehre von der Entfremdung und ihrer Aufhebung hat für die SED nicht existiert. So konnte sie auch die Folgen der Ausbeutung nicht verstehen. Und folglich nicht ihre Aufhebung. Es gab keinen Sozialismus.

 

Wie ein Kreis mit seinem (einzigen) Zentrum eine entartete Ellipse ist, die sonst zwei Brennpunkte hat, so hat die Lehre von Marx zwei Zentren: die Ausbeutung und die sogenannte Entfremdung des Menschen von sich selbst. Bis in die Weimarer Zeit konnte es scheinen, alle soziale Problematik reduziere sich auf Ausbeutung. Aber Wachstum von Konsumpotential und Manipulation läßt nun die Selbst-Entfremdung des Menschen hervortreten.

 

Marx hatte nie die aufzuhebende Entfremdung aus den Augen verloren. In heutigem Jargon wäre dieser Option zuzuordnen: Glasnost und Basisdemokratie, Bürgerstolz vor Leitersesseln, Entfaltung der kreativen Anlagen aller Menschen und universelle Bildung, Ende der Entfremdung (im engeren Sinne des Wortes) vom anderen Menschen und von der Natur.

 

Selbst als Marx über die Pariser Kommune schrieb, die sich unterm Belagerungszustand entfalten mußte, interessierte ihn, wie die Demokratie zu sichern sei. Marx ließ sich nicht einmal vom Kriegszustand eingeben, Verbot für Kontrolle von unten zu empfehlen.

 

Was verstand Marx unter Selbstentfremdung des Menschen? Marx ging von der heute allbekannten Tatsache aus: Die Gattung „Mensch" entstand und lebt in der Arbeit. Arbeit ist das Element der Menschheit wie Wasser das Element der Fischheit. Darin zu schwimmen ist beider Wesen. Man sollte meinen, in seinem Element fühlt man sich munter.

 

Doch für die Individuen, aus denen die Menschengattung besteht, verhält es sich nicht so. Der Arbeiter produziert sich als Ware, die verkauft werden muß. Gelingt das, so legt er sein Leben in den zu produzierenden Gegenstand. Aber nun gehört „es nicht mehr ihm, sondern dem Gegenstand". Je geistreicher der industrielle Prozeß, desto geistloser für viele die Arbeit. „Selbst die Erleichterung der Arbeit wird zum Mittel der Tortur, indem die Maschine nicht den Arbeiter von der Arbeit befreit, sondern seine Arbeit vom Inhalt." (MEW 23.445f. Auch S. 674)

 

Sofern der Arbeiter in der Arbeit nur „seine Physis abkasteit" und „seinen Geist ruiniert", ist Arbeit „nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen.... Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus." (MEW 40.510 ff.) Das Individuum im Gegensatz zur Gattung, die in der Arbeit zu Haus ist wie der Fisch im Wasser.

 

Des Arbeiters Glück ist daher der Konsum. Eine andre Freude hat der Arbeiter nicht. Und der Kapitalist „profitiert nicht nur von dem, was er vom Arbeiter empfängt, sondern auch von dem, was er ihm gibt.... Die individuelle Konsumtion des Arbeiters ist für ihn selbst (den Arbeiter. R. Th.) unproduktiv, denn sie reproduziert nur das (konsum-)bedürftige Individuum". (MEW 23.597f.)

 

Heute ist Konsum auch Konsum von Television. Doch macht selbst Satellitenempfang den sich tagsüber Kasteienden noch nicht zum Weltbürger, der sich als Gattungswesen versteht. Brüderlichkeit aus Treibhäusern welkt, wo Reichtum im Besitz von Sachen kulminiert. Dagegen Marx: „Größter Reichtum" ist, „den andren Menschen als Bedürfnis" zu „empfinden". (MEW 40.544).

 

Konsum beginnt mit Reklame. „Jedes Produkt ist ein Köder, womit man das Wesen des andern, sein Geld, an sich locken will, jedes wirkliche oder mögliche Bedürfnis (nach einem Produkt. R.Th.) ist eine Schwachheit, die die Fliege an die Leimstange heranführen wird...." (MEW 40.547)

 

Wir fliegen in der Tat an die Leimstange, stellen das Ding, das Konsumgut, über unsre menschliche Entwicklung und lassen uns durch die Fülle der Konsumgüter, die wir nur momentweise oder überhaupt nicht benötigen, erdrücken.

 

Entfremdung des Individuums von der Gattung besteht auch im Unvermögen, sich als Gattungswesen zu durchschauen.

 

Einst schuf Kapital seinen Totengräber. Aber dieser konnte seinen starken Arm nicht erkennen. Warum? Schafft er sich nicht seinerseits das Kapital als den Leim und dem Leim die Fliege? Sind nicht Kapital und Arbeit das Paar, das sich wechselseitig Ergötzungen schafft mit Renommier- und Konsumgütern? Ausbeutung und Entfremdung sind miteinander vernäht. (FN: Anmerkung 1997: Zum Kode-Wort „vernäht" enthält Kapitel 8 eine Entschlüsselung.)

 

Aber nicht groß genug sind für viele Renommier- und Konsumgüter unsre Wohnungen, unsre Städte und unsre Erde. Drohung oder Chance? Wie, wenn zwei schädliche Effekte sich gegenseitig auslöschen würden?

 

Allein die Ausbeutung aufheben wollen, geht nicht. Es bleibt, mit dem Aufheben der Entfremdung zu beginnen. Entstehen da nicht Spielräume?

 

Was war denn unser Kreuz? Gesunde Menschen wurden als zu Betreuende betäubt. Ergebnis: Entfremdung von sich selbst - noch im zweiten Jahr nach Ende der SED sozial devitalisierte Menschen.

 

Jetzt, bei Marktwirtschaft, werden wir nicht nur von einer Form der Entfremdung in die andre geworfen. Verlust der Arbeit. Sofern wir enttäuscht sind, sind wir gelockert, um aus der Betäubung zu stürzen. Bei aller Not eine Chance?

 

Zorn braucht beim Leser linker Zeitungen nicht erzeugt zu werden. Und liest das etwa der Gegner? Wann lohnt es zum Training für die Demo? Überhaupt: Ist Schreien schon alles? Vertieft impotentes Schreien nicht gar noch die Frustration, die Demütigung, die Entfremdung?

 

Den abstrakten Gegensatz zum Feldgeschrey finden wir auf den Kulturseiten: Zu viel Wehleidigkeit. ……

 

…… Die Güterproduktion ist Mittel. Derzeit noch. Unsre Vitalität ist der Zweck. Wenn Kapital unseren Rufen folgt, muß es selbstbewußte Menschen vorfinden und nicht Geschöpfe, die nur auf Fremderlösung gewartet haben.

 

Mittelfristig wird der absolute Konsum anrüchig. Der Krug geht zu Wasser, bis er bricht. Mittelfristig ersticken wir am Kot der Konsumtion. Günstig sind die Aussichten auf Minderung geistloser Tätigkeit, auf Verkürzung der Arbeitszeit für kreative Mobilität und Bildung.

 

„Wenn aber der Wechsel der Arbeit sich jetzt nur als überwältigendes Naturgesetz durchsetzt,.... macht die große Industrie .... selbst es zur Frage von Leben oder Tod, den Wechsel der Arbeiten und daher möglichste Vielseitigkeit der Arbeiter als allgemeines gesellschaftliches Produktionsgesetz anzuerkennen...." (MEW 23. 511f.)

 

Marx hat gezeigt, daß unter kapitalistischer Hülle die Keime des menschlichen Reichtums entstehen: In seiner tradierten Form „ist der Reichtum einerseits Sache, verwirklicht in Sachen,.... andererseits als Wert ist er bloßes Kommando über fremde Arbeit.... In allen Formen erscheint er in dinglicher Gestalt, .... die außer und zufällig neben dem Individuum liegt.... In fact aber, wenn die bornierte bürgerliche Form abgestreift wird, was ist der Reichtum anders, als die im universellen Austausch (in menschlicher Kommunikation! R.Th.) erzeugte Universalität der Bedürfnisse, Fähigkeiten, Genüsse, Produktivkräfte etc. der Individuen? Die volle Entwicklung der menschlichen Herrschaft über die Naturkräfte (die uns jetzt durch Brutalität gegenüber der Natur entgleitet. R.Th) .... wie seiner eignen Natur.... Das absolute Herausarbeiten seiner schöpferischen Anlagen, ohne andre Voraussetzung als vorhergegangne historische Entwicklung, die diese Totalität der Entwicklung .... aller menschlichen Kräfte als solcher .... zum Selbstzweck macht...." (MEW 42.395).

 

Wie bitte? Statt Sachen Mensch zum Selbstzweck macht? ** >>

 

Ende des 6. Kapitels von „Marx und Moritz – Unbekannter Marx – Quer zum Ismus“ 1998. In fünfzehn weiteren Kapiteln sind weitere, zugehörige Fragen behandelt. Insgesamt mehr, als jahrzehntelang über den Kommunismus ausgebreitet worden war in der DDR. In einigen Kapiteln war auch von Reserven die Rede, welche die DDR gehabt hatte, um Probleme der Versorgung mit sinnvollen Konsumgütern zu lösen.

 

1999 schenkte ich ein Exemplar des Buches einem Mitbürger, der im Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR, Bereich Politische Bildung, im Range eines Oberst gearbeitet hatte. Er gab mir das Buch zurück, es wäre zu schwierig für ihn und die Mitglieder seines Vereins.

 

Doch die Moral von der Geschicht: Schonet eure Köpfe nicht. Von alleine kommt der Tod. Werdet endlich richtig rot! Lust am Denken und am Handeln – dann wird sich die Welt auch Wandeln. Macht schnell Schluss mit eueren Beschwerden, dann kann Kommunismus werden.

Und vergesst nicht die freundliche Zusammenarbeit mit unsren Mitbürgern christlichen Glaubens.

 

 

 

 

Was ich gern auch publizieren möchte:

- Handreichung zum Verstehen und Trainieren dialektischen Denkens. Überwindung der Ziegelstein-Denkweise und ihrer Grundlagen durch Bildung und Kreativität

- Erfahrungen der Kooperation mit Mitbürgern christlichen Glaubens.

- Eine Studie „MINT und die Entwicklung der Menschengemeinschaft. Ein Plädoyer gegen das Ziegelstein-Denken. Gibt es Alternativen?“

- Erfahrungen der Montags-Demo-Bewegung zur Überwindung von Hartz IV.

- „Wie bleibt man geistig fit?“ mit einem Blick in die Feuerbachthesen von Karl Marx.